Gepostet 24.01.2014, Ivan Storchi
Wenn Frauen und Männer zusammenarbeiten, liegt oft Zündstoff in der Luft. Unterschiedliche Arbeitsweisen, Erwartungen und Kommunikationsstile können zwar Teams bereichern, sorgen im Arbeitsalltag aber auch immer wieder für Spannungen.
In der Schweiz arbeiten deutlich mehr Frauen als Männer Teilzeit. Während rund 21 Prozent der Männer Teilzeit arbeiten, sind es bei den Frauen rund 58 Prozent. Diese unterschiedlichen Arbeitsmodelle und Rollenbilder führen im Berufsalltag deshalb immer wieder zu Diskussionen. Das genügt manchmal schon, um es an der Geschlechterfront von Zeit zu Zeit krachen zu lassen.
„Wenn ich wählen müsste“, sagt Tim* (31), „würde ich lieber mit Männern als mit Frauen zusammenarbeiten.“ Vor allem Frauen neigten seiner Meinung nach dazu, immer wieder Zoff zu haben. „Ein Team, das sich nur aus Frauen zusammensetzt, zu führen, wäre für mich nur schwer möglich“, gibt der Abteilungsleiter Finanzen mit neun Mitarbeitenden, darunter vier Frauen, zu bedenken. Mit Männern könne man gradliniger kommunizieren und müsse meistens nicht mit nachtragenden Reaktionen rechnen.
Dass Frauen mitunter nicht ganz pflegeleicht sein können, bestätigt Teamleiterin Sabina* (40). Gleichzeitig gesteht sie ihrem Geschlecht auch Stärken zu. So würden Frauen häufig ein höheres Mass an Empathie zeigen und in schwierigen Situationen besonnener reagieren.
Dennoch beobachtet auch sie Unterschiede im Verhalten. Frauen würden untereinander manchmal stärker auf Konflikte reagieren als Männer. „Das weibliche Geschlecht stellt sich manchmal auch zu sehr infrage”, fügt Sabina hinzu. Männer dagegen wirken oft sehr selbstsicher in dem, was sie tun, selbst dann, wenn dieses Selbstvertrauen eher nach aussen getragen wird.
Fachleute gehen davon aus, dass viele Konflikte zwischen Männern und Frauen im Berufsalltag weniger mit persönlichen Eigenschaften als mit unterschiedlichen Kommunikationsstilen zu tun haben. Während Männer häufig direkter und sachorientierter kommunizieren, legen Frauen oft mehr Wert auf die Beziehungsebene, Zwischentöne und Konsens.
Gerade in gemischten Teams können diese Unterschiede sowohl Herausforderungen als auch Chancen darstellen. Unterschiedliche Perspektiven können zu kreativeren Lösungen führen – vorausgesetzt, sie werden konstruktiv genutzt.
Wenn im Geschlechterkampf kein Ausweg in Sicht ist, können sich die Gemüter in Kursen wieder abkühlen. Denn es gibt entsprechende Angebote sowohl für arbeitsrechtliche Fragen als auch für Situationen im Arbeitsalltag. In den Seminaren geht es beispielsweise darum, die Rolle von Mann und Frau am Arbeitsplatz zu reflektieren, Kommunikationsmuster zu erkennen und Konflikte besser zu lösen.
Arbeiten Männer und Frauen unterschiedlich im Team?
Studien zeigen Unterschiede im Kommunikationsstil. Männer kommunizieren oft direkter und sachorientierter, während Frauen stärker auf Beziehung und Konsens achten. In gemischten Teams können diese Unterschiede zu Missverständnissen führen – aber auch zu besseren Lösungen.
Warum arbeiten in der Schweiz mehr Frauen Teilzeit?
Ein wichtiger Grund sind familiäre Aufgaben und Betreuungsmodelle. Viele Frauen reduzieren ihr Pensum nach der Geburt von Kindern. Auch steuerliche und gesellschaftliche Faktoren spielen eine Rolle.
Sind gemischte Teams erfolgreicher?
Viele Studien zeigen, dass Teams mit unterschiedlichen Perspektiven häufig kreativere Lösungen entwickeln und bessere Entscheidungen treffen. Voraussetzung ist jedoch eine offene Kommunikation und gute Führung.
*Name der Redaktion bekannt
www.frauen-fuehren-anders.de
www.bildung-schweiz.ch/fuehrung